Bauwerk Jubilatekirche

Der Bauausschuss der Gesamtkirchengemeinde entschied sich nach einem Architekturwettbewerb spannenderweise für den zweiten Preis. So erhielt der Entwurf des Architekten Wolf Irion (Stuttgart-Rohr) den Zuschlag für ein Gemeindezentrum mit Kirche, Turm, Gemeindehaus und zwei Wohnungen. Dieser sah vor, gegenüber der fast gleichzeitig errichteten katholischen Kirche eine Baugruppe entstehen zu lassen, die sich in den städtebaulichen Rahmen einfügt und dennoch ihre Eigenständigkeit behauptet. Zwischen 1965 und 1967 wurde das Vorhaben unter Leitung von Bauingenieur Beuter realisiert. Im September 1965 wurde mit dem Bau der Jubilatekirche und des Gemeindezentrums begonnen; Richtfest war im Oktober 1966. Am 1. Oktober 1967 wurden die Kirche und das Gemeindehaus mit einem Gottesdienst und anschließender Festversammlung eingeweiht.

Die Kirche und der Turm stehen frei auf einer leichten Geländeerhebung. Die Kirche steht damit zwar optisch mitten im Ort, lässt sich aber nicht von der alltäglichen Struktur und Zweckmäßigkeit vereinnahmen und bleibt so etwas Besonderes und aus dem Alltäglichen Herausgehobenes. In diesem Sinne ähnelt auch der Kirchplatz einer mittelalterlichen „Dom-Freiheit“. 

Die Dachkonstruktion wirkt wie ein beschützendes Zelt und erinnert an die nomadische Lebensweise unserer alttestamentlichen Glaubensvorfahren und an die erste Hausform der Menschheit. 

Das Kirchengebäude

Das Kirchengebäude sollte auf Wunsch der Bauherrschaft (Gesamtkirchengemeinde) außen zukunftsweisend und innen durch Schlichtheit und Wärme geprägt sein. Die Jubilatekirche hat eine sechseckige Grundfläche. Fünf der Seitenwände sind als farblose, künstlerisch gestaltete Glasfenster ausgeführt. Sie werden von Sichtbetonpfeilern gegliedert. Der sechsten Seite ist der Eingangsbereich vorgelagert, dem rechts und links die Sakristei und der Mesnerraum eingegliedert sind. Die großen Glastüren geben von außen den Blick auf die eigentlichen Kirchenportale frei. Auf den Pfeilern ruht ein mächtiger Dachaufbau aus Holz: Drei viereckige und drei dreieckige Dachseiten über dem Lichtband der Fenster führen die sechseckige Grundfläche hoch über dem Altarraum zu einem gleichschenkligen Dreieck als Dachfenster zusammen.

Alle sakralen Elemente des Kirchenraums sind durch klare Linien dargestellt. Die konziliare Ausrichtung unterstreicht, dass Christus selbst das Zentrum der Gemeinde ist. Es gibt keine Altarsperren wie in mittelalterlichen Kirchen, die die profane (= unheilige) Gemeinde von dem heiligen Bezirk abtrennten. Die Kirche ist nicht Gegenüber der Gemeinde, sondern die Gemeinde mit Christus als Zentrum ist die Kirche selbst. (Matthäus 18, 20: „Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“)

Die Kirche von innen

Das dreieckige Dachfenster erlaubt eine große Interpretationsweite: Das Dreieck symbolisiert zunächst die Dreieinigkeit (Trinität) Gottes als Vater, Sohn und Heiliger Geist. Darüber hinaus wurde vor allem in barocken Kirchengebäuden das Dreieck auch als das Auge Gottes gesehen, das gnädig (manchmal vielleicht auch zornig) auf sein Volk achtet.

Der Kirchenraum ist 16 m hoch, mit einer Grundfläche von ca. 500 m² und hat 400 Sitzplätze. Das außen- und innenarchitektonische Konzept der Jubilatekirche sind klare Linien. 

Der Kirchturm

Der Kirchturm der Jubilatekirche war von Anfang an aufgrund seiner Optik umstritten. Er besteht aus Sichtbeton und wiederholt die geometrische Struktur des Kirchengebäudes. Auf sechs mächtigen Pfeilern streckt er sich auf eine Höhe von 37 m. 

In seinem Glockenstuhl trägt er drei Glocken.

Mit Datum vom 21. Dezember 2016 wurde die Kirche Jubilate, der freistehende Glockenturm sowie der großzügige Vorplatz mit Sitzbänken, einschließlich der zugehörigen Grün- und Freiflächen „als gelungener architektonischer Entwurf aus wissenschaftlichen und künstlerischen, im Zusammenhang mit der Geschichte der Trabantenstadt Orschel-Hagen auch aus heimatgeschichtlichen Gründen“  in die Liste der Kulturdenkmale in Baden-Württemberg aufgenommen. 

Das Gemeindezentrum

Das Gemeindezentrum hat einen großen teilbaren Gemeindesaal mit Bühne, den wir auch für die „Winterkirche“ nützen, ein Sitzungszimmer, in dem unter anderem der Kirchengemeinderat tagt, zwei Gruppenräume, eine 2013 renovierte und jetzt sehr professionelle Küche und einen Spielkeller, einen 2016 renovierten Jungscharkeller sowie einen Werkraum.

Am 1. Juli 1967 wurde das Gemeindezentrum mit einem Gottesdienst „in Betrieb genommen“; die offizielle Einweihung war dann am 1. Oktober 1967.