Orschel-Hagen-Brief Juni - Juli 2021

  • Liebe Leserinnen und Leser
  • Corona in Jubilate VII
  • Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV)
  • Planung Dachsanierung der Jubilatekirche
  • Kontaktlos Kontakte schaffen?

Liebe Leserinnen und Leser

Am 24. Juni, kurz nach der Sommersonnenwende, feiert die Kirche den Johannistag. Der Johannistag erinnert an Johannes den Täufer. An den „Prediger in der Wüste“, der unermüdlich auf Jesus von Nazareth zeigt, und er sagt: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen“.

Wer auf Jesus hinweist, wer sich auf Jesus einlässt, bleibt nicht derselbe. Man wird aus seinem alten Leben herausgerufen. Man gerät in Bewegung, so wie es Johannes der Täufer für sich sagt: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“

Gute Religion versetzt in Bewegung. Schlechte Religion verharrt im Gewohnten. Gute Religion bürstet das Leben gegen den Strich. Schlechte Religion macht das Leben bequem. Gute Religion kennt unbequeme Wahrheiten. Schlechte Religion kennt nur einfache Wahrheiten.

Einfache Wahrheiten sind verführerisch, aber sie klären nicht auf. Die Welt ist voller einfacher Lösungen: Schuld sind die Politiker*innen; schuld ist der Euro; schuld ist die Kirche; schuld sind die Ausländer*innen... Einfache Wahrheiten mobilisieren, aber sie werden der Vielfalt des Lebens nicht gerecht. Gegen einfache Wahrheiten in der Religion schützen Menschen wie Johannes der Täufer. Sein Satz setzt in Bewegung: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“

Dieser Satz des Täufers provoziert und bewegt die, die sich eingerichtet haben und „sicher leben“. Die schöne Sommerzeit zeigt das blühende Leben: das Glück, das man sich aufgebaut; die Freund*innen, die einen hilfreich umgeben; den Erfolg, den man sich erarbeitet hat.

Doch mitten im Sommer erinnert der Johannistag daran, dass die Tage wieder kürzer werden: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ In dieser Welt gibt es keine Ewigkeit. Alles ist Wandel, alles vergänglich. Und es gibt niemanden, der sich selbst erhalten kann. Johannes der Täufer sagt einen unbequem wahrhaftigen Satz:

„Ein Mensch kann nichts nehmen, wenn es ihm nicht vom Himmel gegeben ist“. Wohl dem, der auch im Sommer weiß, wem das Werden und Wachsen zu verdanken ist. „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“

Der Satz des Täufers provoziert und bewegt aber auch die, die sich verloren fühlen und unsicher sind im Leben. Viele Menschen haben das Gefühl, dass sie auf der Schattenseite des Lebens stehen. Dort ist es dunkel und kalt. Dort fühlt man sich abgehängt von all dem Geld und Glanz.

Doch mitten in der Finsternis scheint ein großes Licht. Der 24. Juni weist auf den 24. Dezember. Es wächst ein Licht heran, das man in der Helligkeit des Sommers gar nicht recht entdecken kann. Es wächst ein Licht heran, das in der Finsternis leuchtet und die Schattenseite erhellt. Jetzt kommt Bewegung ins Lebensspiel. Jetzt kommt Er. „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen“.

Der Johannistag erinnert an Johannes den Täufer, der die christliche Religion vor einfachen Wahrheiten schützt. Denn gute Religion setzt in Bewegung, erschüttert die Sicheren und erbarmt sich der Unsicheren. Alles ist in Bewegung, weil der kommt, der uns nicht alleine lässt.

Genießen Sie den Sommer und bleiben Sie in Bewegung,

Corona in Jubilate VII

Nachdem nach der Weihnachtszeit die Inzidenzzahlen im Landkreis deutlich bis Mitte Februar auf ca. 30 abgesunken waren, sind sie seit Ende Februar wieder deutlich angestiegen. Seit der zweiten März-Hälfte haben sie 120 - der vom Kirchengemeinderat beschlossenen Grenze für Gottesdienste - überschritten und steigen weiter.

Das hatte und hat weiterhin auch deutliche Auswirkungen auf das Gemeindeleben in unserer Gemeinde. Das Gemeindehaus muss leider für alle Veranstaltungen geschlossen bleiben. Gottesdienste finden seit Karfreitag vor der Kirche statt. Die dazu etwas aufwändigeren Vorbereitungen werden - gut eingespielt - von den ehrenamtlichen Mesnern durchgeführt, unterstützt von Herrn Ziemann. Beim Abbauen nach den Gottesdiensten freuen wir uns über jede helfende Hand.

Auch die Gottesdienste der Kinderkirche werden von unserem sehr motivierten und kreativen Vorbereitungsteam im Freien geplant.

Die Leitung unserer Jungschar hat sich sehr engagiert und kreativ um Corona-gerechte Aktionen für die Kinder bemüht. Den Verantwortlichen für diese Gruppen danken wir sehr für ihren für die Kinder und ihre Eltern besonders in diesen Zeiten wichtigen und entlastenden Einsatz.

Von Seiten der Landeskirche gibt es seit Mitte April die Vorgaben, dass ab einer Inzidenzzahl 100 im Landkreis Präsenz-Gottesdienste im Freien empfohlen werden, ab einer Inzidenzzahl 200 Präsenz-Gottesdienste im Freien verpflichtend sind und ab einer Inzidenzzahl 300 keine Präsenz-Gottesdienste stattfinden dürfen.

Damit ergeben sich für uns zur Zeit keine Änderungen bei den Gottesdienstplanungen. In der Hoffnung auf Inzidenzzahlen unter 300 gehen wir auch für unsere Konfirmationsgottesdienste am 18. Juli von Präsenzgottesdiensten vor der Kirche aus.

Dr. Martin Willmann

Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV)

Die psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) im Landkreis Reutlingen besteht seit fast 20 Jahren aus zwei Diensten, die partnerschaftlich, eng und unmittelbar kooperieren: der Notfallseelsorge (NFS) der evangelischen und katholischen Kirchen (38 neben- und ehrenamtlich Mitarbeitende) und dem Notfallnachsorgedienst des Deutschen Roten Kreuzes (NND) (fünf ehrenamtlich Mitarbeitende).

Wir sind an 365 Tagen/Jahr rund um die Uhr zuständig für Betroffene (PSNV-B) sowie für Einsatzkräfte (PSNV-E) im gesamten Landkreis. 2020 wurden wir zu 111 Einsätzen angefordert. 103 Einsätze hat die Notfallseelsorge (NFS) absolviert, acht Einsätze der Notfallnachsorgedienst (NND) des Deutschen Roten Kreuzes. Insgesamt wurden 418 Personen betreut.

Die meisten Einsätze finden im innerhäuslichen Bereich statt, z. B. erfolglose Reanimationen, plötzliche Todesfälle, Suizide. Öfters werden wir von der Polizei zur Überbringung von Todesnachrichten gebeten. Zu Unfällen, Verbrechen und Bränden wurden wir im einstelligen Bereich angefordert.

Die Notfallseelsorge besteht aus 25 nebenamtlich Mitarbeitenden (Pfarrer/innen, Diakone, Pastoralreferenten), fünf Pfarrern im Ruhestand und acht Ehrenamtlichen. Weitere zwei Peers der freiwilligen Feuerwehr unterstützen das Einsatzkräfte-Nachsorgeteam.

Ab März 2021 wird die Organisation von NFS und NND unter dem Dach der „PSNV im Landkreis Reutlingen“ zusammengeführt. Zukünftig wird es eine PSNV-Geschäftsstelle und ein gemeinsames Leitungsteam geben.

Der Wandel des Ehrenamtes in der Gesellschaft ist auch in der PSNV angekommen. Um dringend benötigte Ehrenamtliche zu gewinnen, die diese qualitativ und psychisch anspruchsvolle Arbeit langfristig ausüben können, sie auszubilden und zu begleiten, wurde bereits 2013 (ein inzwischen) 30 %iger Stellenanteil für eine hauptamtliche Leitungs- und Koordinationsstelle finanziert. Seit 2021 unterstützt der Landkreis Reutlingen uns mit jährlich 10.000 €.

Das DRK bringt sich seit vielen Jahren personell in die Organisation der PSNV ein, indem es den sogenannten „Alarmkopf" stellt.

Ob ehrenamtlich oder beruflich: viele Menschen setzen ihre Zeit, Fähigkeiten, ihre Fachlichkeit, Kompetenz und Kraft – ja - ihre ganze Persönlichkeit und manchmal auch die Gesundheit ein, um in Not geratene Menschen zu retten und ihnen zu helfen. Deshalb feiern wir mit allen Angehörigen von Polizei, Feuerwehr, DRK, Technischem Hilfswerk und Kirchen, Vertretern der Kommunen und des Landkreises und der gesamten interessierten Öffentlichkeit im Landkreis einmal im Jahr einen Blaulichtgottesdienst. Er findet immer am letzten Freitag im Januar in wechselnden Kirchen im Landkreis statt.

Wenn Sie an einer ehrenamtlichen Mitarbeit für diesen sinnvollen und wichtigen Dienst interessiert sind, dürfen Sie sich gern an die Geschäfts- und Koordinationsstelle wenden. Kontakt: Haus Matizzo, Manuela Seynstahl, Tel. 078123/9102024 oder email: hausdontospamme@gowaway.matizzo.de

Manuela Seynstahl

Planung Dachsanierung der Jubilatekirche

Die Arbeiten zur Dachsanierung an der Jubilatekirche sind in vollem Gang. Die Gerüste sind aufgebaut, am Rand des Kirchenvorplatzes sind „Bauhütten“ aufgestellt, ohne seine Nutzung als Gottesdienstraum zu beeinträchtigen. Mittlerweile liegt auch ein Bauzeitenplan vor:

Die alten Dachschindeln sollen bis Mitte Mai abgebaut sein, die neuen bis Ende Juni angebracht werden.

Wenn dann Dachrinne und Blitzschutz bis Ende Juni installiert sind, kann bis Mitte Juli das Gerüst wieder abgebaut und die Orgel wieder „enthüllt“ werden.

Dr. Martin Willmann

Kontaktlos Kontakte schaffen?

Bei allen Einschränkungen und Vorsichtsmaßnahmen wegen der Corona-Pandemie haben wir unsere Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien kreativ weiterentwickelt und umgestellt. Hier eine Auswahl.

Engagierte und kreative Mitarbeitende, die den Kopf nicht in den Sand stecken, sondern tüfteln, Ideen spinnen und die gemeinsame Hoffnung teilen, das ist das Zentrale – und ein großer Schatz in Jubilate. Selbst die Treffen der Mitarbeitenden können nur digital stattfinden, meist per Video-Konferenz übers Laptop oder Smartphone, oder über Handynachrichten und –gruppen. Man sieht und hört sich, das ist wertvoll, kostet aber eine deutlich höhere Konzentrations-Leistung, weil Zwischentöne und Gefühle schwerer rüberkommen. Wir helfen uns gegenseitig mit Besinnungen und ermutigenden Worten und mit dem Erzählen dessen, was gut läuft. Besonders der Austausch unter uns Diakon/ innen im esjw ist gewinnbringend, stets neue Ideen und Erfahrungen geben wir uns gegenseitig weiter.

Für Jubilate gebündelt wird alles im KiJuFA, unserem Kinder-, Jugend- und Familien-Ausschuss. Dort stimmen wir uns über die Entwicklungen ab. Natürlich geht das derzeit nur per Video-Konferenz, aber wir haben gut geübt.

Die starke Leistung unserer Buben-Jungschar wird im nachfolgenden Artikel gewürdigt.

Die Osterwerkstatt wollten wir keineswegs ausfallen lassen und so trafen das ehrenamtliche Team und ich uns seit Januar regelmäßig (per Video), um eine Version zu finden, die jedweder zu erwartenden Corona-Regelung entsprechen sollte. Es hat geklappt, Sie haben es mitbekommen: 30 Familien gestalteten über 250 bunte Eier für den Osterbaum an der Kirche. Dafür verteilten wir zuerst Flyer, freuten uns über die gute Resonanz, besorgten (trotz geschlossener Läden) Material und verteilten dann die Bastelmaterialien, immer einzeln, ohne Treffen. Die Familien bemalten zu Hause herrlich schöne Eier, legten sie in einen Karton vors Gemeindehaus und das Team dekorierte im Freien, mit Abstand und Masken den prächtigen Baum.

Leider wurde er nach wenigen Tagen von Unbekannten nachts beschädigt, knapp die Hälfte der Eier abgerissen und zertreten. Aber auch davon ließ sich das Team nicht unterkriegen und kurzerhand wurde mit den geretteten Eiern ein großer Strauß aus Zweigen ins Kirchenfoyer direkt hinter die Glastüre gestellt, wo er seit Wochen betrachtet werden kann.

Ähnlich kreativ ist unsere Kinderkirche: alle zwei Wochen bereitet das Team Geschichten und Gebete, Lieder und Spiele vor, die digital verschickt oder seit Neuestem als Erlebnis- Stationen rund ums Gemeindehaus aufgehängt werden. So können alle Familien je einzeln die frohe Botschaft Jesu erleben.

Die traditionelle Osternacht junger Erwachsener fand schon zum zweiten Mal als Video-Runde statt. Das Team verteilte im Vorfeld an alle besinnliche Texte, eine Kerze und ein kleines Holzkreuz. Mit diesen liebevollen Dingen dekorierte jeder zu Hause den Tisch ums Laptop und die große Gruppe konnte so mehrere Stunden in der Nacht zum Ostersonntag singen, beten, nachdenken und zwischendurch Online-Spielerunden erleben.

Gemeinsam mit Just For Kids entstanden auch tolle Aktionen. Carolin Lutz hatte die schier unlösbare Aufgabe als Sozialpädagogin, Kids zwischen 10 und 14 Jahren mit offenen Angeboten zu bedienen, ohne sie direkt kontaktieren zu dürfen. So entwickelte sie neue togo-Bastelpakete, die sie mit der Praktikantin jede Woche vor dem Jugendhaus zur Abholung bereitstellt. Und sie hat mit mir zusammen zwei digitale Schnitzeljagden entworfen, die „Orschel-Fr(H)agen“ stellen. Die Kids und Familien können so – je einzeln – mit dem Smartphone auf Entdeckungstour nach Sinnvollem und Spannendem gehen.

Schon planen wir weitere gemeinsame Aktivitäten, zum Beispiel „urban gardening“ auf dem Ackerstück am Gemeindehaus, wo leckere Sachen wachsen sollen, die wir zusammen mit dem Kindergarten pflegen und ernten und am Erntedankfest mit - hoffentlich vielen erlaubten - Gästen in der Kirche bewundern werden.

KiWo im Sommer? Wird das erlaubt sein? Mindestens so wie letzten Sommer hoffen wir, Kinderwoche halbtags für 60 Kinder, immer draußen, in getrennten Gruppen und mit Abstand. Aber viel lieber würden wir mehr gestalten.

Damit wir startklar sind, traf sich das 4-köpfige ehrenamtliche Leitungsteam in mehreren Video-Abendrunden seit Monaten mit mir. Für die über 30 KiWo-Mitarbeitenden bereiten wir ein Treffen Mitte Mai vor (wieder per Video, obwohl es viele allmählich satt haben), um die Kontakte zueinander trotzdem aufrechtzuerhalten und ein bisschen Spaß zu haben. Dazu verteilen wir an alle Mitarbeitenden vorher ein Päckchen mit leckeren, selbstgemachten Kleinigkeiten, die wir dann gemeinsam (also zeitgleich jeder zu Hause bei sich) im Zoom-Meeting vernaschen werden.

Einige der Nachwuchs-Mitarbeiter nehmen an der Jugendleiterschulung Trainee des esjw teil.

Weil so vieles kurzfristig entsteht und sich ändert, veröffentlichen wir Infos auf der Internetseite von Jubilate und auf www.esjw.de und auf meinem Instagram-Kanal @jubilategemeindediakon.

Achim Wurst, Gemeindediakon

Bubenjungschar

Das Team der Bubenjungschar ist schon was Besonderes! Und macht etwas Besonderes! Besonders in diesen Coronazeiten!

Uwe und Thommy, Sören und Leon kämpften sich vor einem Jahr durch den ersten Lockdown mit ihren Jungs: alles fand draußen statt, man bastelte zum Beispiel Papierflieger und testete, wie weit sie fliegen. Im Sommer konnte man sich endlich wieder wieder sehen und es lief wie immer: bestens. Dann im Winter der zweite Lockdown. Jetzt war man vorbereitet. Die Treffen der Bubenjungschar fanden sowohl online als auch draußen statt. Draußen wurde u.a. eine Schnitzeljagd organisiert, natürlich mit Abstand, aber selbst bei strömendem Regen und Wind und Kälte… „Klasse!“ war die einhellige Meinung. Und mit den neuen Scheinwerfern ist man selbst im Dunkeln für alles gerüstet!

Bei den Onlinespielen brauchte es zwar manchmal noch elterliche Hilfe – dafür war der Spaß für alle (Jungs wie Eltern) garantiert! Zuerst wie immer ein kurzer biblischer Impuls, dann ging es los: Montagsmaler und Stille Post und vieles mehr. Und gebastelt wurde: eine Magnettafel, faltbare Autos oder eine Steinschleuder… An Weihnachten hat jeder Junge ein kleines Geschenkle vor der Tür vorgefunden – als Zeichen, dass es weitergeht.

Egal, wie und wo, eins ist klar: freitagabends um 17:30 Uhr ist Bubenjungschar. Wer Lust hat mitzumachen – ob als Junge (Mädchen sind auch ok) oder als Helfer – sehr gerne im Pfarramt melden! 

Silke Bartel