Orschel-Hagen-Brief Oktober - November 2020

  • Liebe Leserinnen und Leser
  • Corona in Jubilate III
  • Ein besonderes Jubiläum
  • Sie hatten etwas für uns übrig
  • Eine Nacht in der Kirche - mit Konfis und Bibel
  • ZwischenZeit - Musikalisches Abendgebet

Liebe Leserinnen und Leser

„Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land“, so heißt es in einem bekannten Kirchenlied an Erntedank. Zuerst aussäen, dann ernten. Das ist ja nicht nur in der Landwirtschaft so. Auch im Leben: wir sind jung, ergreifen einen Beruf, gründen eine Familie – wir säen aus. Irgendwann sind wir in Rente, die Kinder haben das Haus verlassen, vielleicht gibt es kleine Enkel – hier ernten wir, was wir im Leben ausgesät haben. Aber was von dem vielen, das wir erleben, aufbauen, weitergeben, bleibt eigentlich? Und wovon müssen wir Stück für Stück Abschied nehmen?

Sorgt nicht um euer Leben. Sorgt nicht um Nahrung und Kleidung. So sagt es Jesus in der Bergpredigt. Die Vögel unter dem Himmel, die Blumen auf dem Feld, sie säen nicht, sie ernten nicht, sie mühen sich nicht – und Gott ernährt sie doch.

Schön wär`s – denkt jetzt sicher mancher. So romantisch geht es in der Natur nicht zu. Natur, das heißt: fressen und gefressen werden. Und ohne Arbeit und Mühe kommen wir in unserem Leben nicht weit. Ohne Schweiß kein Preis.

Aber wenn Jesus gar nicht über die Natur spricht? Wenn er eher unsere innere Einstellung zu den Mühen und Arbeiten meint, die das Leben nun einmal mit sich bringt? „Sorgt nicht!“, sagt Jesus. Das sagt sich so leicht. Müssen wir denn nicht vorausschauend denken, planen, Versicherungen abschließen, um unser Leben zu schützen? „Der Mensch denkt, Gott lenkt“, sagt ein Sprichwort.

Natürlich müssen wir in unserem Leben mehr oder weniger schwere Enttäuschungen hinnehmen, Verletzungen, Karriereknicks, vielleicht sogar Schicksalsschläge. Aber gelegentlich können wir auch dankbar sein, dass manches nicht so gekommen ist, wie wir das unbedingt haben wollten. Es wäre vielleicht eine Katastrophe geworden. Und umgekehrt: Es soll ja auch schon vorgekommen sein, dass aus einer Enttäuschung, aus einer Verletzung, aus einer Schwäche etwas gewachsen ist, das wir heute nicht mehr missen wollen, für das wir vielleicht sogar dankbar sind.

Ich weiß, dass das nicht einfach ist, das Sorgen lassen – nicht am Anfang des Lebens und auch nicht, wenn es irgendwann auf das Ende zugeht. Es ist wirklich eine Vertrauensfrage: Traue ich Gott zu, dass Gott aus den Bruchstücken meines Lebens ein Puzzle legen kann, das am Ende viel schöner, viel reicher, viel erfüllter sein kann, als ich es mit aller meiner Sorge hätte jemals gestalten können? Sorgt nicht! Trachtet zuerst nach Gottes Gegenwart, dann wird euch alles andere von selbst zufallen. Wo ich glauben und vertrauen kann, dass Gott mein Leben umgibt und trägt, auch mit all dem Schweren und Schmerzhaften – wo ich das glauben kann, da hat die Sorge ihre Macht über mich verloren. Da kann das Herz weit werden. Nicht nur an Erntedank, auch an jedem Tag meines Lebens, der mir noch geschenkt wird. Bleiben Sie behütet!

Corona in Jubilate III

Corona-Regeln sind einzuhalten!

Corona-Regeln sind einzuhalten!

Landesregierung und Landeskirche passen die Regelungen immer wieder an neue Gegebenheiten an. Teilweise sind damit Erleichterungen in den Corona-Beschränkungen verbunden, teilweise haben sie Präzisierungen zum Inhalt. Über diese hat bzw. wird der Kirchengemeinderat beraten.

Andachten / Gottesdienste

In den Gottesdiensten darf auch wieder Gemeindegesang und das Sprechen von Liturgie stattfinden – allerdings nur mit Mund-Nasen-Schutz. Der Kirchengemeinderat hat das Hygieneschutzkonzept für die Gottesdienste in der Jubilatekirche entsprechend aktualisiert. Auch die Feier des Abendmahls ist von der Landeskirche wieder zugelassen worden, allerdings unter ganz erheblichen Restriktionen, die die Gemeinschaft der Abendmahlsgemeinde kaum sichtbar werden lässt. Für die Gottesdienste zum Erntedankfest und zu Weihnachten mussten bzw. müssen wegen der Beteiligung von Kindergarten bzw. Kindertheater sowie der z.T. zu erwartenden großen Teilnehmerzahl in der Sommerpause Planungen und Absprachen stattfinden.

Für das Erntedankfest wurde bereits abgesprochen, dass der Kindergarten ein eigenes Fest am 7.10. im Kindergarten macht: dort sind die Corona-Auflagen hinsichtlich singen, an den Händen fassen etc. etwas leichter zu realisieren. Der Sonntagsgottesdienst am 4.10. findet dann ohne Kindergarten statt. Die Beratungen des Kirchengemeinderats hinsichtlich der Gottesdienstzeiten ab September führten zu folgendem Beschluss:

Nachdem die 18-Uhr-Gottesdienste mit besonderer musikalischer Gestaltung insbesondere bei Gemeindegliedern mittleren und jüngeren Alters gut angenommen worden waren, sollen ab Oktober 2020 bis Juli 2021 die Gottesdienste/Andachten an den 1., 3. und 5. Sonntagen des Monats um 10 Uhr und an den 2. und 4. Sonntagen um 18 Uhr stattfinden. Diese Regelung soll danach überprüft werden.

Öffnung Gemeindehaus

Von der Landeskirche wurde ein Formular „Infektionsschutzkonzept für einzelne Veranstaltungen/Gruppen und Kreise im Gemeindehaus“ zur Verfügung gestellt. Es ist kurz, übersichtlich und leicht zu verstehen. Die bisher für unsere Aktivitäten im Gemeindehaus erarbeiteten Konzepte für die Jugendarbeit und die KiWo erfüllen dieses Infektionsschutzkonzept. Die Vorlage kann für weitere Aktivitäten, z. B. die Angebote, die hauptsächlich von Senioren besucht werden (Mittagstisch, Jubilatetreff, Gymnastik für Frauen, …), verwendet werden.

Bei Veranstaltungen mit vielen zu erwartenden Gesprächen zwischen den Teilnehmenden ist im großen Gemeindesaal eine Tischanordnung möglich für 24 Teilnehmende.

Der KGR hat für den großen Gemeindesaal bei Kinobestuhlung eine Personenhöchstzahl von 35 festgelegt auf der Basis eines Abstandes von 1,5 m.

Dr. Martin Willmann

Ein besonderes Jubiläum

40 Jahre in landeskirchlichem Dienst – ein Gespräch mit Kindergartenleiterin Iris Altenhof

Ihr Dienst in der Landeskirche begann im April 1980, seit 1982 ist Iris Altenhof in unserem Kindergarten am Berliner Ring tätig – zunächst als Gruppenleiterin, dann seit 1988 als Leiterin des Kindergartens. Sie hat also über 38 Jahre die Entwicklungen in Orschel-Hagen, insbesondere im Quartier Berliner Ring begleitet und die sich daraus ergebenden Veränderungen im Kindergarten mitgestaltet. Durch ihre langjährige Leitung war eine Kontinuität gegeben, durch die Iris Altenhof die Änderungen für Kinder, Eltern und Erzieherinnen mit Augenmaß und Einfühlungsvermögen verträglich und erfolgreich umgesetzt hat.

In einem ausführlichen Gespräch hat sie die Veränderungen beschrieben:

Die Kinder

Während zu Beginn der 1980er-Jahre im Kindergarten deutsche Kinder und einige vietnamesische Kinder betreut wurden, sind es heute durch starke Änderungen in der Bevölkerung im Quartier rund um den Kindergarten zu mehr als 70 % Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund mit acht verschiedenen Muttersprachen. Diese Vielfalt hat im Jahr 2008 zu der Namensänderung „Kindergarten Berliner Ring“ in „Kindergarten Kinderwelt“ geführt.


Die Öffnungszeiten

Vor 40 Jahren gab es Betreuungszeiten vormittags von 8:00 Uhr bis 11:00 Uhr und nachmittags noch einmal drei Stunden. Aufgrund der zunehmenden Berufstätigkeit der Mütter und alleinerziehender Eltern wurden diese Betreuungszeiten vormittags ausgedehnt zu Lasten der Nachmittage. Heute gibt es in Abstimmung mit den Bedürfnissen der Eltern nur noch einen täglichen Betreuungsblock von 7:30 Uhr bis 13:30 Uhr. In dieser Zeit gibt es seit zehn Jahren ein von den Betreuerinnen vorbereitetes „gesundes“ Frühstück und einen „Mittags-Snack“.

Das Kindergartenkonzept

Früher war das Kindergartenkonzept einer reinen Gruppenorientierung üblich, heute wird häufig ein offenes Konzept bevorzugt. Ein rein offenes Kindergartenkonzept beurteilt Iris Altenhof insbesondere für kleinere Kinder als schwierig. Für diese sei zunächst eine Gruppenorientierung zum Aufbau der notwendigen sozialen Beziehungen und der Vermittlung von Regeln und Sprache erforderlich. Später bieten sich in gruppenübergreifenden Altersgruppen gemeinsame Treffen und offene Projekte an.

Die Kontakte zu den Eltern

Die Kontakte zu den Kindergarteneltern haben sich stark gewandelt. Während früher Abendtermine für Zusammenkünfte mit Bildungsangeboten üblich waren, die zunehmend weniger besucht wurden, wird heute – angepasst an die Möglichkeiten der Eltern - zu Nachmittagen mit Kinderbetreuung eingeladen. Diese werden wieder gerne besucht.

Fortschritte, Erfolge

Iris Altenhof sieht Erfolge in ihrer langen Tätigkeit im Kindergarten insbesondere in einer wachsenden vertrauensvollen Beziehung zu den Familien im Quartier, die auch nach der Kindergartenzeit der Kinder anhält. Diese Fortschritte sind ermöglicht durch eine zeitliche Freistellung im Rahmen eines Modellprojektes der Landeskirche, in der sie Projekte wie Kulturveranstaltungen oder Bastelnachmittage für Familien im Stadtteil planen, abstimmen und organisieren kann.

Die Kirchengemeinde Jubilate ist Iris Altenhof sehr dankbar für ihren über 38 Jahre anhaltenden engagierten Einsatz für die Kinder und Familien in Orschel-Hagen und gratuliert ihr ganz herzlich zu ihrem 40-jährigen Jubiläum in der evangelischen Landeskirche.

Dr. Martin Willmann

Sie hatten etwas für uns übrig

Alters- oder krankheitsbedingt haben drei Gemeindeglieder mit dem Austragen des Orschel-Hagen-Briefs aufgehört: Frau Schöll (Heilbronner Straße), Herr März (Nürnberger Straße) und Herr Gekeler (Crailsheimer Straße). Ganz herzlichen Dank für den geleisteten Dienst!

Dankbar sind wir auch für die Bereitschaft von Herrn Herrmann, Frau Maisch, Frau Sautter und Frau Vieler, diese Aufgabe zu übernehmen!

Seit Gründung des Fördervereins im Jahr 2005 hat die Firma Zeeb den Förderverein mit einem Fördervertrag unterstützt - wir sind sehr dankbar, dass die Firma Zeeb über einen so langen Zeitraum das Sponsoring aufrecht erhalten hat. Vielen Dank!

Über die Zusendung der ersten CD unseres früheren Organisten Gabriel Moll haben wir uns sehr gefreut. Wir konnten sie zusammen mit Aufnahmen von Christoph Zehender im nächsten Gottesdienst am 10. August verwenden, bei dem es keine Live-Musizierenden gab. Die CD kann demnächst erworben werden.

Durch Ihre großzügigen Spenden konnte rasch der von KERUDO dringend benötigte Ersatz-Laptop finanziert werden. Dafür dankt auch Pfarrer Sylvance Okumu sehr herzlich.

Eine Nacht in der Kirche - mit Konfis und Bibel

Am Freitagabend, 30. Oktober um 19 Uhr, ist es mal wieder soweit: die Konfis verbringen eine Nacht in der Kirche. Die Herausforderung? Von 19 Uhr bis zum nächsten Morgen, Samstag 31. Oktober um 7 Uhr, durchgängig die Bibel zu lesen! Wer neugierig ist, kann gerne vorbeikommen und schauen, was wir so machen. Die Konfis freuen sich auch über jeden und jede, der/die hilft, eine Viertelstunde übernimmt und die Bibel laut liest. Oder gar uns etwas zu essen oder zu trinken als Stärkung vorbeibringt!

Pfarrerin Silke Bartel

Singen ist "ansteckend"! Das haben wir in den letzten Jahren im Musikalischen Abendgebet "ZwischenZeit" schon oft miteinander erlebt. Leider gilt "ansteckend" auch für das Corona-Virus, und gerade beim Singen ist das Infektionsrisiko besonders hoch. So kann die "ZwischenZeit" für absehbare Zeit nicht wie gewohnt stattfinden.

Um nicht gänzlich auf das Musikalische Abendgebet verzichten zu müssen, werden wir zu den üblichen "ZwischenZeit"-Terminen eine Online-Version ins Internet stellen, die über die Homepage der Kirchengemeinde Jubilate jederzeit erreichbar sein wird (www. jubilatekirche-reutlingen.de). So laden wir Sie herzlich zum Mit-Singen und -Beten ein. Begleitend zur Audio-Spur können Sie durch die Texte der Lieder und Gebete blättern.

Wir freuen uns, wenn Sie ab dem 14. Oktober, dem 11. November und dem 9. Dezember die "Zwischenzeit", zwar auf Distanz, aber trotzdem miteinander verbunden feiern.