Orschel-Hagen-Brief Februar - März 2020

  • Liebe Leserinnen und Leser
  • Der neue Kirchengemeinderat ist gewählt
  • OH-Brief-Reihe „Personen und Projekte in Jubilate“
  • Schöpfung. Woher? Wohin?
  • Ehe für alle?

Liebe Leserinnen und Leser

Ich habe mir mal überlegt, warum wir in unseren Breitengraden eigentlich Fastnacht und Karneval feiern.

Da ist natürlich das kirchliche Element. Schon die Begriffe Fastnacht und Karneval deuten darauf hin, dass es mit der Fastenzeit zu tun hat. In der ab Aschermittwoch siebenwöchigen Fastenzeit vor Ostern war und ist in vielen christlichen Konfessionen der Genuss bestimmter Speisen, vor allem von Fleisch, nicht erlaubt. Daher stehen vor dem Beginn der Fastenzeit das ausgiebige Essen und Feiern im Mittelpunkt der Fastnacht. Karneval „Carne vale“, kann man mit „Fleisch lebe wohl“ übersetzen, hat also die Abstinenz von selbigem während der kommenden Wochen im Blick.

In manchen Gebieten Baden-Württembergs ist die alemannische Fastnacht zu Hause. Diese geht auf vorchristliche Bräuche des germanischen Stammes der Alemannen zurück. Mit Masken, Lärm und Schabernack sollen die bösen Geister des Winters vertrieben werden, damit es bald Frühling werde. Die Kostüme mit ihren aus Holz geschnitzten Masken sind Einzelanfertigungen nach traditionellen Vorbildern und daher sehr wertvoll. Neben den Masken gibt es aber auch die Verkleidung. Darin drückt sich das urmenschliche Bedürfnis nach Veränderung aus. Der Wunsch, jemand anders zu sein oder in einer anderen Zeit zu leben, etwas machen oder darstellen zu können und zu dürfen, was man sonst nicht kann oder darf, kann in der Fastnacht für einen kurzen Zeitraum erfüllt werden.

Die wohl bekannteste Figur der Fastnacht ist sicherlich der Narr. Der Hofnarr war im Mittelalter bis in die Neuzeit hinein der Einzige, der dem Herrscher ungestraft die Meinung sagen und Kritik an der Regierung üben durfte. Diese Tradition setzt sich in den Büttenreden unserer Tage fort. Dazu sind im 19. Jahrhundert – ausgehend vom Rheinland – die Garden getreten. Mit dem militärischen Aufzug, aber dem ganz und gar unmilitärischen Benehmen wurden zunächst die französischen Besatzer zur Zeit Napoleons verspottet und später die Preußen mit ihrem militärischen Auftreten. Bezeichnenderweise marschieren die Garden nicht, sondern tanzen, und schießen nicht mit Kugeln, sondern mit Konfetti und werfen Süßigkeiten. Die Kritik und der Spott an der Obrigkeit werden auch am Karnevalsprinz und an der Verleihung von Karnevalsorden deutlich.

Allen Narren, Karnevalisten und Karnevalsmuffeln wünsche ich eine schöne Zeit!

Und denken Sie daran: An Aschermittwoch ist alles vorbei – dann beginnt die Fasten-/ die Passionszeit. Und Nachdenklichkeit und der Verzicht auf liebgewordene Gewohnheiten sind etwas, was der Mensch ebenso braucht wie Ausgelassenheit und Frohsinn.

Ihre Pfarrerin

Ihre Pfarrerin Bartel

Der neue Kirchengemeinderat ist gewählt

Es ist geschafft, wir haben für die nächsten sechs Jahre einen neuen Kirchengemeinderat! Wir danken allen Menschen, die sich an der aufwändigen Wahlvorbereitung und -durchführung beteiligt haben:

  • unserer Pfarramtssekretärin Viktoria Vieler,
  • dem Ortswahlausschuss mit seinem Vorsitzenden Waldemar Weber,
  • den Austragenden der Wahlunterlagen,
  • der Kandidatin und den Kandidaten
  • und allen Wählerinnen und Wählern.

Der neue Kirchengemeinderat besteht nun aus den sieben gewählten Mitgliedern:

  • Iris Dratz
  • Rolf-Dieter Nerz
  • Ulf Palmer
  • Matthias Schmid
  • Benjamin Schröder
  • Frank Walter
  • Dr. Martin Willmann
  • sowie unserer Pfarrerin Silke Bartel und Diakon Achim Wurst (beratend).

Die gewählten Mitglieder sind im Gottesdienst am 22. Dezember 2019 in ihr Amt eingeführt und verpflichtet worden.

Den ausscheidenden Mitgliedern des letzten Kirchengemeinderats Sieglinde Heißwolf, Thomas Martin und Waldemar Weber wurde in dem Gottesdienst ganz herzlich für ihre treuen Dienste gedankt.

In seiner konstituierenden Sitzung am 7. Januar 2020 hat der neue KGR Dr. Martin Willmann zu seinem Vorsitzenden und Rolf-Dieter Nerz und Dr. Martin Willmann zu seinen Vertretern im Engeren Rat gewählt.

OH-Brief-Reihe „Personen und Projekte in Jubilate“

Jährlich beim Mitarbeiter-Dankeschön wird uns immer wieder vor Augen geführt, wie viele Menschen sich in unserer Gemeinde vielfältig ehrenamtlich engagieren. Was aber in den vielen unterschiedlichen Gruppen und Kreisen geschieht, bleibt häufig etwas im Dunkeln.

Um hier etwas Licht in die Dunkelheit zu bringen, wollen wir mit dieser Ausgabe des Orschel-Hagen-Briefs eine OH-Brief-Reihe wieder aufnehmen, in der die vielfältigen Gruppen und Kreise vorgestellt werden sollen. Wer könnte das aber besser als die jeweiligen Leitungspersonen oder -teams?

Wir bitten daher die Gruppenleitungen um einen Artikel für den OH-Brief über ihre Gruppen und Kreise, der möglicherweise auch eine Werbewirkung hat und Interesse an einer Teilnahme wecken kann.

Wir könnten uns vorstellen, dass folgende Punkte interessant sind:

Allgemeine Vorstellung der Gruppe (besteht seit, Anlass der Gründung, ...)

  • Ziel bzw. Themen der Gruppe
  • Zeit und Ort der Treffen
  • Gegebenenfalls Würdigung langjähriger/verdienter MitarbeiterInnen
  • Benennung von Ansprechperson/ Leitungsteam

Beginnen wollen wir in dieser Ausgabe mit dem „Jubilatetreff für Ältere“.

Jubilatetreff für Ältere

Seit vielen Jahren ist der Jubilatetreff für Ältere ein fester Bestandteil unseres Gemeindelebens. Er findet einmal im Monat - am Dienstagnachmittag ab 15 Uhr - im Gemeindehaus statt.

In fröhlicher Runde und an liebevoll gedeckten Tischen wird bei Kaffee und Kuchen und auch beim gemeinsamen Gesang Gemeinschaft und Austausch gepflegt.

In der Regel gibt es zu Beginn eine Andacht oder einen geistlichen Impuls, oft von Pfarrerin Bartel, wenn es ihr terminlich möglich ist. Und bei jedem Treffen gibt es noch einen Programmpunkt, ein „highlight“, etwas, worüber man ins Gespräch kommt, etwas Unterhaltsames und auch Lustiges - das Lachen kommt nicht zu kurz bei uns.

Feste Traditionen sind: gemeinsames Mutscheln (immer im Januar), Brettspiele und Zwiebelkuchen u. neuer Wein (im September), ein Spielfilm im Oktober, das gemeinsame Abendmahl im November und natürlich die Adventsfeier im Dezember.

Der Höhepunkt ist sicherlich der Halbjahresausflug im Juni. Das Ziel für 2020 steht schon fest: wir fahren nach Pforzheim und besuchen die Ausstellung „Great Barrier Reef“ im Gasometer.

Programmpunkte bzw. Themen 2019 waren „Sicherheit im Alltag“ mit Polizisten, „Helle Lieder in dunklenTagen“ mit zwei Musikerinnen aus Tübingen, „Kurzfilme“ und vieles mehr.

Im neuen Jahr wird es einen Vortrag von Frieder Leube über eine Armenienreise geben, das Heimatmuseum wird als „Museum im Koffer“ bei uns zu Gast sein und anderes mehr.

Zum Team der ehrenamtlichem Mitarbeiter gehören: Susanne Hetzel, Irmtraud Gonser (bis 2019), Christa Dallinger, Gabriele Dingler, Heide Dangel, Cornelia Herrmann und Nelly Smirnow.

Stille Helferin im Hintergrund ist neben unserer Hausmeisterin Olga Wettstein Frau Reutter, die für den schönen Tischschmuck sorgt.

Von Beginn an waren viele Jahre auch Ulla Dorn und Irmtraud Gonser dabei. Neben Frau Dorn, die aus gesundheitlichen Gründen vor drei Jahren ausschied, hat auch Frau Gonser im Sommer 2019 ihre ehrenamtliche Tätigkeit beendet.

Beiden - Frau Gonser und Frau Dorn - danken wir von Herzen für ihre langjährige, treue und zuverlässige Mitarbeit und wünschen ihnen weiterhin Gottes Segen und seine Begleitung.

Der Jubilatetreff wird regelmässig von ca. 25-40 Gästen besucht. Wir freuen uns über diesen lebendigen Kreis älterer Menschen.

Susanne Hetzel

Schöpfung. Woher? Wohin?

Predigtreihe im Februar 2020 in den Nordraumgemeinden 

Die Folgen des Klimawandels sind unübersehbar: Wassermangel, Waldschäden, Stürme und Hitzeperioden sind menschengemachte Folgen unserer gesamtgesellschaftlichen, globalen Lebensweise. Die Bewegung „Fridays for Future“ hält der Welt die Notwendigkeit des Handelns vor Augen: Wenn wir jetzt nichts tun, wird sich die Erderwärmung noch mehr erhöhen. Der Klimawandel lässt sich nicht stoppen, höchstens eingrenzen.

Wie können wir dazu theologisch verantwortlich Stellung beziehen? Wir sprechen von der Bewahrung der Schöpfung und bekennen Gott als den Schöpfer. Wir feiern Erntedank, staunen über die Schönheit der Schöpfung und tragen dennoch dazu bei, die Natur zu zerstören, an der wir uns eigentlich freuen möchten.

Die Nordraumgemeinden laden die Kirchengemeinde Orschel-Hagen herzlich zu Veranstaltungen im Rahmen ihrer Predigtreihe Schöpfung ein.

Zum Einstimmen auf das Thema beginnen wir mit einem gemütlichen Wunschfilm-Abend am Samstag, 1. Februar, um 19.30 Uhr im Gemeindehaus in Sickenhausen (Friedrichstr. 9).

Zur Auswahl stehen zwei interessante und mitreißende Spielfilme. In beiden kämpft eine Frau mutig für ihre Ideale: für den Erhalt der Schöpfung gegen Energiekonzerne beziehungsweise für einen beinahe 2000 Jahre alten Olivenbaum. Am Abend werden wir wählen, welchen der beiden Filme wir sehen wollen.

Ehe für alle?

Praktisch-theologische Überlegungen zur kirchlichen Praxis der Trauung

Ab dem 1.4.2020 gibt es eine neue Ordnung der kirchlichen Trauung in der evangelischen Kirche in Württemberg. Während der Gesetzgeber seit 2017 die Ehe unterschiedslos auch für gleichgeschlechtliche Paare vorsieht, beharrt die Kirche auf einem sog. Abstandsgebot zwischen einer Segnung anlässlich einer Eheschließung und der Trauung von Mann und Frau. Zugleich nehmen verheiratete Paare immer seltener eine kirchliche Trauung wahr, obwohl die Bereitschaft, einen hohen Aufwand zur Vorbereitung der Hochzeit zu betreiben, steigt. Der Reformator Martin Luther hat die Ehe sowohl als „weltlich Ding“ als auch als „göttlichen Stand“ bezeichnet. 

Diese widersprüchlichen Beobachtungen sollen der Anlass sein, zusammen mit Prof. Weyel über Sinn und Bedeutung der kirchlichen Trauung und ihre Gestaltung heute aus praktisch-theologischer Sicht nachzudenken. Termin: Mittwoch, 22. April, um 19:30 Uhr im Gemeindehaus.

Prof. Dr. Birgit Weyel ist Praktische Theologin an der Evangelisch-theologischen Fakultät in Tübingen. Sie hat sich mit der Frage nach biographischen Übergangsriten (sog. Kasualien) befasst, u.a. in einem Forschungsprojekt zu Kasualien als Familienfeste.