Orschel-Hagen-Brief April - Mai 2020

  • Liebe Leserinnen und Leser
  • Die „Neue“ im Bereich Kinder-, Jugend- und Familienarbeit in Jubilate
  • Aus dem Kirchengemeinderat
  • Projekt KiWo

Liebe Leserinnen und Leser

Das Konzentrationslager Buchenwald 1939. Der kalte Wind fegt über den Appellplatz – die Strafgefangenen stehen in Reih und Glied. In der Ferne sehen sie den Schornstein – er qualmt. Sie meinen, ihn riechen zu können, den Gestank ihrer verbrannten Kameraden. „Selig sind die Friedfertigen“, ruft plötzlich jemand aus der Zelle. Es ist Pfarrer Paul Schneider – der Prediger von Buchenwald. Der Jude Ernst Cramer erinnert sich: „Wir haben nur die Stimme gehört – und zwar immer wieder – natürlich unterbrochen durch Schmerzensschreie und Gebrüll von SS-Leuten. Das ist klar. Ich möchte sagen, dass diese christlichen Worte auch den Juden, die damals da waren, irgendwie eine Art Stärke gegeben haben.“

Vor fast 80 Jahren wird Paul Schneider im Konzentrationslager ermordet. Der Vorwurf: Widerstand gegen Hitler. Als Hitler 1933 an die Macht kommt, ist er dem Führer gegenüber zunächst positiv eingestellt. Er schreibt: „Man hat unbedingt den Eindruck, dass Hitler sich vom Geist Gottes bei seinem Reden und Handeln leiten lässt.“

Die anfängliche Begeisterung verfliegt schnell. Er weigert sich, den Konfirmandenunterricht mit einem Hitlergruß zu beginnen. 1936 geht er nicht wählen. Bei der Beerdigung eines Hitlerjungen bezweifelt Paul Schneider, dass er nun in den Himmlischen Sturm Horst Wessels übergegangen sei (eines bereits verstorbenen nationalsozialistischen Vorkämpfers). Paul Schneiders Frau Margarete: „Heil Hitler - das hat meinen Mann sehr misstrauisch gemacht. Heil, wir haben kein anderes Heil als nur der Name Jesu.“

Insgesamt wird er dreimal verhaftet. Als er trotz Verbot in seine Gemeinde zurückkehrt, wird er 1937 in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Zwei Jahre später töten sie ihn. Margarete Schneider holt den Leichnam ihres Mannes im Konzentrationslager Buchenwald ab. Die Beerdigung: Eine riesige Demonstration der Bekennenden Kirche – all jener Pfarrer, die sich gegen Hitler und sein Heil wehren. Paul Schneiders Kirche ist nicht einverstanden. Das rheinische Konsistorium sind deutsche Christen, also Nazis. Die beschweren sich bei der Gestapo, dass sie Schneiders Leichnam frei gegeben haben. Sie sollten ihn doch im KZ Buchenwald belassen.

Das rheinische Konsistorium gibt es nicht mehr – der rechtliche Nachfolger ist die Evangelische Kirche im Rheinland. Und sie ist stolz auf Paul Schneider – auf ihren Widerstandskämpfer im Dritten Reich.

Paul Schneider ist seit 80 Jahren tot, na und? Nein – nicht: na, und. Er hat Widerstand gegen die Nazis geleistet. „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“, – manchmal auch mehr als seiner eigenen Kirche. In diesen Zeiten – in diesen wieder viel zu leichtfertig rechtsextremistischen Zeiten - sollten wir uns das von Paul Schneider sagen lassen. Märtyrer werden wir deshalb nicht werden müssen. Gott sei Dank!

Ihre Pfarrerin

Die „Neue“ im Bereich Kinder-, Jugend- und Familienarbeit in Jubilate

Hallo an alle,

Mein Name ist Carolin Lutz, ich bin 23 Jahre alt und frisch gebackene Diakonin. Ursprünglich komme ich aus Wannweil und bin jetzt nach meinem Studium der Diakoniewissenschaft in Ludwigsburg wieder zurück Richtung Reutlingen gezogen. Nach einem Haufen Theorie freue ich mich jetzt in der Praxis voll durchzustarten.

Seit meiner Jugend bin ich in meiner Heimatgemeinde in der Jugendarbeit aktiv. In meiner Freizeit mache ich leidenschaftlich gerne Musik, habe das Gärtnern für mich entdeckt, treibe unterschiedlichsten Sport und treffe gerne Freunde.

Ab dem 15.03. trifft man mich sowohl als Gemeindediakonin in der Auferstehungskirche, als auch in Orschel-Hagen im Bereich der Kinder-, Jugend- und Familienarbeit. Ich bin sehr gespannt, vielen Menschen aus den beiden Kirchengemeinden und darüber hinaus zu begegnen und gemeinsam an Gottes Reich zu bauen.

Auf ein baldiges Kennenlernen und herzliche Grüße 

Caro

Aus dem Kirchengemeinderat

In den ersten zwei Sitzungen des neuen Kirchengemeinderats hat dieser sich konstituiert und sich mit dem Haushaltsplan 2020 beschäftigt.

Für Ausschüsse der Gesamtkirchengemeinde stellten sich zur Verfügung:

Matthias Schmidt (Kindergartenausschuss),
Pfarrerin Bartel (Kirchenmusikausschuss),
Iris Dratz (Personalausschuss bei Personalentscheidungen für Jubilate),
Rolf-Dieter Nerz und Frank Walter (Dekans-/Pfarrstellenbesetzungsgremium).

Alle wurden in der Sitzung des Gesamtkirchengemeinderats im Februar bestätigt.

In seiner dritten Sitzung hat der KGR zwei wichtige Themen diskutiert und entschieden:

Das Thema „Segnung gleichgeschlechtlicher Paare“ ist bereits im letzten Jahr intensiv diskutiert worden und im Oktober in einem Informations- und Diskussionsabend mit Pfarrerin Susanne Wolf auch der Gemeinde zugänglich gemacht worden. Ein weiterer Informationsabend wird am 22. April mit Prof. Dr. Birgit Weyel im Gemeindehaus stattfinden. Der Kirchengemeinderat hat den Oberkirchenrat gebeten, dass Gottesdienste zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare auch in der Jubilategemeinde stattfinden dürfen.

Bei der rückblickenden Betrachtung der Gottesdienste zu Weihnachten hat der KGR beschlossen, dass der relativ schlecht besuchte zweite Gottesdienst am Heiligen Abend in diesem Jahr nicht um 22 Uhr sondern um 18 Uhr stattfinden soll.

Dr. Martin Willmann

Projekt KiWo

Die Kinderferienwoche, abgekürzt KiWo, fi ndet in diesem Jahr zum 33. Mal statt , sie ist also ein Projekt, das in Jubilate schon lange Tradition hat.

In den letzten Jahren haben jeweils ungefähr 90 Kinder (im Alter von 6-12) und 40 Jugendleiter/innen, in der ersten Woche der Sommerferien das Gemeindehaus in Beschlag genommen.

Die Mitarbeiter bereiten in der Zeit von März bis August, angeleitet vom Leitungsteam, viele Spiel – und Bastelaktionen vor, um eine großartige KiWo auf die Beine zu stellen.

Ein typischer Tag in der KiWo beginnt um 10 Uhr mit der Morgen-Saalrunde, bei der alle auf dem Boden sitzen, gemeinsam singen und sich ein biblisches Theaterstück der Mitarbeiter anschauen. Danach gehen die Kinder in ihre Gruppen und lassen sich vom Programm begeistern, das die Mitarbeiter für sie entworfen haben, wie zum Beispiel die Mauer neben der Kirche zu bemalen oder Klappstühle aus Holz zu bauen.

Als nächstes folgt ein absoluter Lieblingspunkt: Das Mittagessen! Unser Küchenteam zaubert uns jedes Jahr super leckere Gerichte, anschließend gibt es eine Mittagspause mit Freispiel – Möglichkeiten, von denen aus wieder ins Gruppenprogramm geleitet wird. Zum Abschluss des Tages gibt es eine Abend-Saalrunde, bei der wieder gesungen und am Ende eine kurze Geschichte vorgelesen wird, während vom Küchenteam ein kleiner Imbiss verteilt wird. So endet der Tag für die Kinder um 17 Uhr.

Doch nicht jeder Tag in der Woche verläuft nach diesem Schema, denn donnerstags ist unser Ausflug. Im letzten Jahr waren wir per Bahn im Planetarium in Stuttgart und danach im Freibad in Nürtingen. Auch unser Abschluss-Sonntag ist etwas Besonderes, denn da findet der große Familiengottesdienst statt. 

Kurz und knapp: Die KiWo ist eine tolle Sache für alle, Kinder sowie Mitarbeiter.

Lisa Oenning