Orschel-Hagen-Brief Oktober - November 2019

Liebe Leserinnen und Leser
Neues aus dem Kirchengemeinderat
Kirchenwahl am 1. Dezember
Warum bin ich Kirchengemeinderat (Fortsetzung)
Vorbereitung auf den Theatergottesdienst an Karfreitag 2020

Liebe Leserinnen und Leser

Manchmal setze ich mich an mein Küchenfenster und gucke raus. So wie manche älteren Herrschaften das machen mit einem Kissen auf der Fensterbank. So gucke ich mir die Welt vor meinem Fenster an.

Genau gegenüber, über die Straße, ist eine Schule. In den Pausen spielen und toben die Kinder. Laut sind sie und voller Leben. Auf der einen Seite von mir wohnt eine Flüchtlingsfamilie. Der Sohn macht bald Abitur, er spricht gutes Deutsch. Der Vater blüht im Garten hinterm Haus auf. Seine Tomaten sind superlecker.

Ein paar Häuser weiter wohnt eine alte Dame. Sie erzählt gerne. Von damals. Vom Krieg und der Flucht. Vom Ankommen in der fremden Stadt. Lauter Katholiken und sie, die „Reingeschmeckte“, und dann auch noch evangelisch – „wüstgläubig“…

Noch ein paar Häuser weiter wohnen Freunde. Zwei Männer. Wenn ich etwas brauche: Eier oder Zuspruch, Freundschaft oder einen Bohrer – hier kann ich immer hin.

Vor meinem Fenster ist die ganze Welt versammelt und ich bin ein Teil davon. Alle sind wir besonders, mit einer eigenen Geschichte, mit Sachen, die wir mögen, mit Dingen, die wir nicht abkönnen; jeder hat seine Eigenheiten und Merkmale und Wertvorstellungen. Die Welt ist bunt – und ich freue mich dazuzugehören!

Aber noch besser ist es, wenn ich mein Kissen nehme, das Fenster schließe und mit meinen Hunden eine Runde drehe, draußen, da, wo die anderen auch sind. Die Welt ist bunt – und ich freue mich dazuzugehören!

Ihre Pfarrerin

Neues aus dem Kirchengemeinderat

Segnung zweier Menschen gleichen Geschlechts

Die Landessynode der württembergischen Kirche hat in ihrer Frühjahrssynode 2019 beschlossen, dass es für eine begrenzte Anzahl von Kirchengemeinden möglich sein soll, mit Menschen einen Gottesdienst zu feiern und sie zu segnen, die eine Ehe eingehen wollen mit einem Partner bzw. einer Partnerin gleichen Geschlechts.

Seit Herbst 2017 ist in Deutschland eine zivilrechtliche Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts möglich. Nun hat also auch unsere Landeskirche beschlossen, ihren Segen zu geben und den Schritt zweier Menschen gleichen Geschlechts in eine Ehegemeinschaft mit dem Segen Gottes zu begleiten.

Der Kirchengemeinderat der Jubilatekirche begrüßt diese Entscheidung, weil wir glauben, dass Gott alle Menschen als seine Kinder und als Ebenbilder Gottes geschaffen hat. Gott hat mich und dich und alle seine Kinder lieb - auch wenn die manchmal anders sind, als ich es persönlich vielleicht wünschen würde: ALLE Menschen sind und bleiben Kinder Gottes.

Deswegen möchte der Kirchengemeinderat und die Pfarrerin Silke Bartel auch in der Jubilatekirche Segnungen für homosexuell lebende Menschen anbieten. Wir wollen eine Kirchengemeinde sein, die offen ist für alle Menschen; daran arbeiten wir. Wohlwissend, dass diese Überzeugung einer konservativen Sichtweise von Menschen in Deutschland und besonders in unseren Kirchen gegenübersteht, die anderer Meinung sind.

Wir laden herzlich alle Interessierten und besonders auch die Zweifler und Kritiker ein zu einem offenen Gesprächsabend zum Thema „Segnung anlässlich der bürgerlichen Eheschließung zweier Menschen gleichen Geschlechts auch in Jubilate“ am

Donnerstag, 10. Oktober, um 19:30 Uhr im Gemeindesaal Jubilate.

Wir freuen uns, dass wir zu diesem Abend Frau Pfarrerin Susanne Wolf gewonnen haben. Sie ist Pfarrerin in der Stiftskirche in Tübingen und Prälaturbeauftragte für Homosexualität und Kirche. Sie wird uns durch den Abend führen.

Silke Bartel

Kirchenwahl am 1. Dezember - ein Überblick über Randbedingungen und Termine

Die Kirchenwahl in diesem Jahr rückt näher. Gewählt werden die Mitglieder der Kirchengemeinderäte und der Landessynode für jeweils 6 Jahre.

Für die Wahl wird auf der Basis des Gemeindegliederverzeichnisses eine Wählerliste angelegt mit allen Wahlberechtigten. Automatisch erfasst werden alle Gemeindeglieder, die am Wahltag mindestens 14 Jahre alt sind und ihren Hauptwohnsitz in Orschel-Hagen haben, sowie die Gemeindeglieder, die sich in unsere Gemeinde umgemeldet haben.

Die Wählerliste wird vom 21.10. bis 25.10. im Pfarrbüro zur Einsichtnahme ausgelegt.

Wenn Sie in Orschel-Hagen einen Nebenwohnsitz haben und hier wählen wollen, müssen Sie das bis spätestens zum 29.11. dem Pfarramt mitteilen.

Alle Personen der Wählerliste bekommen ohne besonderen Antrag Briefwahlunterlagen zugesandt und können dann entscheiden, ob sie lieber brieflich wählen oder zur Wahl in unser Gemeindehaus kommen am 1. Dezember zwischen 11:00 Uhr (nach dem Gottesdienst) und 18:00 Uhr, z.B. im Rahmen unseres traditionellen Adventsnachmittags.

Natürlich werden auch Gemeindeglieder benötigt, die sich zur Wahl stellen und bereit sind, im Kirchengemeinderat gemeinsam mit unserer Pfarrerin unsere Gemeinde zu leiten.

Bereits in den letzten Orschel-Hagen-Briefen gab es Artikel von Kirchengemeinderätinnen und Kirchengemeinderäten über ihre Aufgaben und ihre Tätigkeiten in diesem gemeindeleitenden Gremium. Vielleicht konnten Sie sich dort eine Vorstellung verschaffen, wie interessant und vielfältig eine Mitarbeit im Kirchengemeinderat ist.

Aktuell haben wir 5 KandidatInnen für insgesamt 8 zu wählende Mitglieder unseres Kirchengemeinderats. Bis zum 25. Oktober können Wahlvorschläge zum Kirchengemeinderat bei unserem Pfarramt eingereicht werden. Die Kandidierenden müssen Wahlberechtigte unserer Kirchengemeinde und am Wahltag mindestens 18 Jahre alt sein. Natürlich müssen die Kandidierenden der Aufnahme in den Wahlvorschlag zugestimmt haben.

Da es Sache aller Gemeindeglieder ist, Kandidatinnen und Kandidaten für die Leitung unserer Gemeinde zu gewinnen, bitt en wir Sie, uns bei unserer Suche zu unterstützen. Noch besser: Machen Sie doch mit!

Warum bin ich Kirchengemeinderat und warum kandidiere ich erneut? (Fortsetzung)

Vor den Kirchengemeinderatswahlen 1989 bin ich von einer damaligen Kirchengemeinderätin angesprochen worden, ob ich nicht kandidieren wolle. Ich habe mich damals und auch bei den folgenden Wahlen zur Kandidatur entschlossen, weil ich die Tätigkeit als Kirchengemeinderat als eine Möglichkeit gesehen habe - und noch sehe -, in der Gemeinde, in der ich wohne, mitsamt meiner Familie auch zu Hause zu sein, d.h. für mich: Mitarbeiten - Mitgestalten - Verantwortung übernehmen. Mitarbeiten ist kein großes Problem, Es gibt genug zu tun, ich musste Prioritäten setzen.

Mitgestalten ist schon schwieriger.

Ich habe gelernt, dass es doch auch engere Rahmen und Vorgaben gibt, als ich gedacht hatte: Bestimmungen in Landeskirche und Gesamtkirchengemeinde, Randbedingungen der Ökumene; da braucht es manchmal einen langen Atem.

Verantwortung übernehmen ist für mich die anspruchvollste Aufgabe.

Sie bedeutet für mich, Sorge zu tragen für das Zusammenleben innerhalb unserer Gemeinde, mit unseren Nachbarn, mit unseren näheren und entfernteren Mitmenschen und mit unserer Umwelt im Sinne Jesu. Insbesondere dabei brauche ich auch den Zuspruch und die Unterstützung meiner Kolleginnen und Kollegen im Kirchengemeinderat und der Menschen in unserer Gemeinde. Darauf konnte ich mich immer verlassen.

Ihr Kirchengemeinderat
Dr. Martin Willmann

Vorbereitung auf den Theatergottesdienst an Karfreitag 2020

Maria Magdalena: Hure oder Heilige, Freundin Jesu, gar Geliebte Jesu, Wegbegleiterin, Jüngerin, Apostelin…
Maria Magdalena wurde verachtet und verehrt.

Wir wollen uns diese biblische Gestalt einmal näher anschauen.

Was steht wirklich in der Bibel über sie?
Was steht wirklich in der Bibel über sie?
Wie sehen wir Maria Magdalena?
Was ist uns heute an ihr wichtig?

Treffen jeweils mittwochs um 19:45 Uhr im Anschluss an das musikalische Abendgebet im Gemeindehaus:

• 9. Oktober 2019
• 13. November 2019
• 11. Dezember 2019
• 15. Januar 2020

Anette Nußbaum und Pfarrerin Silke Bartel laden zum Gespräch ein. Wir freuen uns auf einen regen Austausch!

Jeder und jede ist eingeladen!