Liebe Leserinnen und Leser

Christen und Heiden

Im Gesangbuch finden wir auf Seite 185 zur Passion ein Gedicht von Dietrich Bonhoeffer:
Christen und Heiden

Menschen gehen zu Gott in ihrer Not, flehen um Hilfe, bitten um Glück und Brot, um Errettung aus Krankheit, Schuld und Tod. So tun sie alle, alle, Christen und Heiden.

Menschen gehen zu Gott in Seiner Not, finden ihn arm, geschmäht, ohne Obdach und Brot, sehn ihn verschlungen von Sünde, Schwachheit und Tod. Christen stehen bei Gott in Seinen Leiden.

Gott geht zu allen Menschen in ihrer Not, sättigt den Leib und die Seele mit Seinem Brot, stirbt für Christen und Heiden den Kreuzestod, und vergibt ihnen beiden.
(Dietrich Bonhoeffer, 4. Febr. 1906 - 9. April 1945)

Bonhoeffer hat dieses Gedicht im Gefängnis in der Passionszeit 1944 geschrieben. Es war Passion in ganz Deutschland. Fast allen war klar, der Krieg ist verloren. Die Zahl der Opfer und Leiden blieb die unbekannte erschreckende Größe. Der Weg der Passion als Verlierende, Leidende, schuldig Gewordene und Verlorene war vielen vorgezeichnet.

Menschen gehen zu Gott in ihrer Not, so beginnt die erste Strophe.

Leidende Menschen flehen ihn um Hilfe an, sie bitten um Glück und Brot, um Errettung aus Krankheit, Schuld und Tod. Warum sollte man Gott auch nicht darum bitten? Es gibt keinen Menschen, der diese Nöte beheben könnte. Wer kann schon aus Schuld und Tod erretten als Gott allein? Wer kann wirklich Glück schenken, das nicht bald vergeht? Wer kann Brot schenken, das auch die Seele satt macht? Wer schenkt denn Hilfe, die die Not endgültig wendet?

In der zweiten Strophe geht es wieder um die Begegnung zwischen Menschen und Gott. Aber nun ist nicht mehr der allmächtige Gott im Blick, sondern der Gott, der im Leiden zugegen ist. Not lässt uns doch nicht gleichgültig. Wer von Not nicht wegsieht, der findet in ihr Gott. Menschen, die zu Gott in seiner Not gehen, finden ihn arm, geschmäht. Sie finden ihn ohne Obdach und Brot. Gott teilt das Schicksal der Menschen, die in Not sind. Christen sehen Gott in seiner Passion für den Menschen verschlungen von Sünde, Schwachheit und Tod.

Christen stehen bei Gott in seinem Leiden. Bonhoeffer nennt hier nur Christen. Die Heiden kommen an dieser Stelle nicht vor. Das ist kein Zufall. Denn Nichtgläubige werden mit einem leidenden Gott schon gar nichts anfangen können. Christen leiden mit Gott. Paulus schreibt, dass er Anteil hat am Leiden Christi. Warum sollten Heiden mit Christus leiden wollen oder gar können?

Als Bonhoeffer dieses Gedicht im Jahr 1944 schrieb, war das Leiden durch den Krieg und den Naziterror unermesslich. Die Schuld von vielen Christen und Heiden greifbar. Wie soll es weitergehen?

Die dritte Strophe beschreibt eine überraschend andere Bewegung. Nun geht Gott zu allen Menschen in ihrer Not. Nun sättigt er Leib und Seele mit seinem eigenen Brot. Er stirbt den Kreuzestod für Christen und Heiden und er vergibt beiden. Warum auch den Heiden? Gottes Handeln ist das Erste. Wie der Mensch antwortet das Zweite.

Gott schenkt einen Neuanfang – das Passionsgedicht erhält österliche Züge. Leiden hat ein Ende, Not wird gewendet, Schuld vergeben und der Tod besiegt.

Als Bonhoeffer am 9.April 1945 zu seiner Hinrichtung geführt wurde, ließ er ausrichten: „Dies ist für mich das Ende, aber auch der Anfang.“

Ihr Pfarrer Bernd Küster

Noch kein weißer Rauch über Jubilate

Am 20. Februar 2018 hat sich das Pfarrstellenbesetzungsgremium zur Besetzung unserer vakanten Pfarrstelle - die neun Kirchengemeinderäte Jubilate, ein Vertreter der Gesamtkirchengemeinde und ein Vertreter des Kirchenbezirks - zur „Wahlsitzung“ getroffen. Bei der Wahl am Ende der Wahlsitzung wurde die erforderliche Stimmenzahl für eine Besetzung nicht erreicht.

Vorangegangen waren eine „Eröffnungssitzung“ am 24. Januar, in der über die beim Oberkirchenrat eingegangenen Bewerbungen informiert worden war, sowie Gottesdienstbesuche.

Die Pfarrstelle „Reutlingen Jubilatekirche“ muss daher erneut ausgeschrieben werden. Wir hoffen, dass das bald geschieht und wir noch vor den Sommerferien zu einer zweiten Wahlmöglichkeit kommen werden.

Dr. Martin Willmann

Aus dem Kirchengemeinderat

Hunde in Gottesdiensten

Hin und wieder werden die ehrenamtlichen Mesner mit der Frage konfrontiert, ob zu Gottesdiensten Hunde mit in die Kirche gebracht werden könnten.

Da sich einige Menschen in Gegenwart von Hunden unwohl oder unsicher fühlen und es auch Menschen mit Tierhaar-Allergien gibt, hat der Kirchengemeinderat beschlossen, dass Hunde in der Kirche nicht zugelassen werden können, wenn die Gottesdienste nicht ausdrücklich auch für Tiere veranstaltet werden Wir bitten alle Hundehalter um Verständnis.

Die Jubi-Ladys in Jubilate

Ein Jubiläum im Stillen

Die Tür zum Gemeindesaal steht offen, große Tischreihen, voll mit Tannenzweigen und anderen weihnachtlichen Sträuchern, Scheren, Draht, Strohkränzen und Kerzen. Lachen und lebhaftes Erzählen ist zu hören.

Immer am Mittwoch vor dem ersten Advent treffen sich die Jubiladys zum Adventskranzbinden. Seit über zehn Jahren ist das Tradition. Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Sehr individuelle Kränze, Sträuße und kleine und größere Ziergirlanden sind entstanden. Ein Teil der erarbeiteten Ziersträuße ist für die Adventsfeier am ersten Advent; sie werden beim Mittagstisch und beim Jubilatetreff weiter verwendet bis Weihnachten. Ein schöner Kranz mit einer großen roten Kerze bleibt für den Flur im Gemeindehaus als Gruß zum Advent.

2006 trafen sich die Jubiladys auf Initiative mehrerer Frauen unter der Leitung von Pfarrerin Denneler zum ersten Mal.

Anke Thomas berichtet:
„Wir haben uns damals aus einer Gruppe von Frauen gefunden, die sich für die Familienarbeit der Gemeinde engagierten. In regelmäßigen Abständen kamen wir zusammen, um verschiedene Familien-Veranstaltungen im Kirchenjahr zu planen und zu organisieren. Irgendwann entstand der Wunsch etwas für uns zu tun, wir selber wollten der Mittelpunkt sein. Wir gaben unserer Runde den Namen JUBILADYs: das klingt fröhlich, weiblich nach Leben in Jubilate. Noch immer sind wir voller Ideen, gestalten Jahr für Jahr ein interessantes Programm.“

Die Idee damals und heute war und ist, dass das Programm selber gestaltet wird, in der Regel ohne Referenten. Theologische Fragen, spirituelle Fragen, Fragen zur Familie und zu Entwicklungen der eigenen Glaubens- und Lebenshaltung sind Inhalte der Treffen. Es soll ein Wohlfühlprogramm geboten werden, etwas zum Auftanken und Entspannen. Die Jubiladys haben immer Themen aus den Lebenswirklichkeiten der Teilnehmerinnen gefunden, u.a.: Wenn Kinder nach dem Tod fragen, Meine Familiengeschichte, Meine Lieblingsbücher und Lieblingsmusik, Rituale im Alltag, Wenn der Himmel mein Leben berührt: Biografie und Spiritualität u.v.m. Die Lebenswirklichkeit der Frauen ist inzwischen vielfältiger geworden. Es vereint uns die Sehnsucht nach einem Raum, in dem ein offener Austausch und individuelle spirituelle Haltungen möglich sind.

Angesprochen waren und sind Frauen über 30. Wer uns gerne kennen lernen möchte, darf uns gerne ansprechen und teilnehmen.

Treffpunkt: Im Gemeindehaus
Kontakt: Anette Nussbaum

Gabriele Dingler

Konfirmation 2018

Neun Monate sind wahnsinnig schnell vorübergerast. Im September haben wir gemeinsam mit dem Konfirmandenunterricht begonnen. Kein leichter Anfang:

Da war der Abschied von Pfarrer Zwissler, den die Konfirmanden sehr gern hatten, und da war der Anfang mit dem Neuen, dem Fremden, der so ganz anders war und seine eigenen Vorstellungen hatte.

Und da war vieles auch fremd: die Gottesdienste, die Lieder im Konfis, die Texte, die Themen - es war nicht immer ganz leicht für uns alle.

Aber Jana Heißwolf als treue Begleiterin half uns dabei (Danke Jana!) und ließ uns gemeinsam losziehen. Neben dem Konfirmandenunterricht besuchten wir das Festival des ejw im September, das Konzert der „Ludderband“ im Oktober und erlebten einen gemeinsamen Konfitag mit den Konfirmanden und Konfirmandinnen von der Auferstehungsund der Katharinenkirche zum Thema Diakonie. Jakub erzählte dabei von seiner Flucht aus dem Iran und was es für ihn bedeutet hat, vom Islam zum Christentum zu konvertieren – zuerst im Iran, aber dann auch hier.

Viele Themen folgten. Am 24. Februar erlebten wir einen ganz besonderen Tag:

Studientag zum Abendmahl: gemeinsames Frühstück, Morgenspaziergang durch Orschel- Hagen, unsere Fragen zum Abendmahl, die gemeinsamen Wurzeln im jüdischen Passahmahl, ein jüdischer Sederabend, die Mahlgeschichten Jesu und dann ein gemeinsames Mittagessen mit Nudelauflauf, den das Elterncatering geliefert hatte, Nachdenken übers Abendmahl heute. Eine gemeinsame längere Kaffeestunde und ein Abschluss mit „Chef - Vize“, einem Spiel um Positionsplätze, rundeten den prall gefüllten Tag ab.

Nun bereiten wir die Konfirmation vor, und dann wird der große Tag bald da sein: Euer „Ja“ zu Gott, zu Jesus und seiner Gemeinde und sein „Ja“ zu euch in seinem Segen.

Ich danke euch für die gemeinsame Zeit. Es war manchmal spannend, manchmal aufregend, meist schön, oft lustig und hoffentlich eine prägende Zeit für euch.

Euer Pfarrer Tom Henning (Bezirksjugendpfarrer)