Liebe Leserinnen und Leser

„Glaubt bloß nicht, dass Ihr hier Pfarrer spielen könnt“, so wurden wir zwei als Pfarrerin und Pfarrer zur Anstellung vor über 12 Jahren vom damaligen Dekan Dr. Mohr in Reutlingen empfangen. Er meinte das natürlich nicht so ernst, sondern blickte damals schon mit Sorge auf die drohende Schließung der Jubilatekirche. Die Erhaltung der Jubilatekirche war dann auch etwas, was uns von Anfang bis zum Ende in der Zeit hier in Jubilate begleitet hat. Dass das Kirchengebäude einmal unter Denkmalschutz stehen würde, hätten wir im Jahr 2005 nicht zu träumen gewagt.

Sie haben uns damals so freudig begrüßt – das wissen wir noch ganz genau – und wir waren in all diesen Jahren so gerne hier, haben viele von Ihnen auch näher kennen gelernt. Und was haben wir in diesen Jahren alles mit Ihnen erlebt:

Die Gründung des Fördervereins Jubilatekirche e.V. quasi über Nacht, das Zusammensein in einer Trauergruppe, Zeit mit anderen Familien, Fußballübertragungen, Ausflüge, Osterwerkstatt, Spiele- und Tanznachmittage, die Gründung des Jubilate-Projekt-Chores, statt „Kirche bleibt cool“ die Gestaltung einer Winterkirche im Saal, die Neujahrsempfänge für ehrenamtliche Mitarbeiter/innen, der Weggang von unserem Freund und Kollegen Matthias Wagner und die Reduktion der Pfarrstellen von einmal 200 % auf schließlich 125 %, die Gospelworkshops, Konzerte und Sommerserenaden, das gemeindepädagogische Projekt „Familienfreundliche Gemeinde“ mit dem Kindergarten, achtmal das Karfreitagstheater mit der Theaterpädagogin Miriam Held, in diesem Jahr mit dem „Theater Reutlingen Die Tonne“, die Versuche, über Abendgottesdienste wie „Darüber hinaus“ oder „SonntagAbendNeuErleben“ andere jüngere Menschen einzuladen, Familiengottesdienste an Erntedank und Weihnachten, Pfingstgottesdienste mit diversen Showeinlagen, Osternächte am Feuer auf dem Kirchhof und bei Kerzenlicht in der Kirche, das 40-jährige und 50-jährige Jubiläum der Jubilatekirche, das Gemeindeforum „Jubilate wie es is(s)t und trinkt“, über 400-mal Mittagstisch (!), 22 Halbtagesausflüge, 12 Konfijahrgänge und ebenso viele Kinderferienwochen, zwei Kirchengemeinderatswahlen, die Einrichtung der neuen Küche und daran anschließend wunderbare Gemeindeessen mit und ohne Maultaschen, der Kauf des Kirchenwagens und herrliche samstägliche Stunden auf dem Dresdner Platz und vieles, vieles mehr.

All dies wird uns in lieber Erinnerung bleiben und wir werden diese Kirchengemeinde Jubilate nie vergessen. 

In unserer neuen Kirchengemeinde in Schönaich werden wir sicherlich unsere Erfahrungen, die wir in Jubilate gemacht haben, segensreich einbringen können.

Ihnen als Kirchengemeinde Jubilate wünschen wir von ganzem Herzen, dass Sie weiterhin so einladend und heimatstiftend bleiben mögen, offen für Menschen mit ganz verschiedenen Lebensgeschichten und unterschiedlichen Glaubensvorstellungen.

Wir danken Ihnen sehr, dass wir hier bei Ihnen sein durften, so wie wir als Ihr Pfarrehepaar Denneler/Zwißler eben waren. Wir haben hier in diesen 12 Jahren viel gelernt und erlebt und sind uns sicher, dass uns der altehrwürdige Dekan nach diesen 12 Jahren recht geben würde, wenn wir heute sagen: „Wir haben hier nicht nur Pfarrer gespielt…“

Wir grüßen Sie ganz herzlich und würden uns sehr freuen, Sie im Rahmen unseres Abschiedsgottesdienstes noch einmal zu sehen

Ihre
Pfarrerin Annette Denneler
Pfarrer Ulrich Zwißler

Unsere Pfarrer gehen - was nun?

Unsere Pfarrer gehen - was nun?

1. Würdigung und Dank
Nun ist es also passiert: nachdem unserer Jubilategemeinde ab 2018 nur noch 100 % Pfarrstellenanteile zugebilligt werden, mussten sich Pfarrerin Denneler und Pfarrer Zwißler nach anderen Pfarrstellen umsehen und haben in Schönaich die Möglichkeit gefunden, auf zwei 100-%-Pfarrstellen in einer Gemeinde tätig zu sein.

Für uns als Jubilategemeinde ist der Verlust unserer Pfarrerin und unseres Pfarrers sicherlich sehr schmerzhaft. Auch wenn sie zunächst als stellen-teilende Vakaturvertretung für Pfarrer Odenwald benannt worden waren, waren sie doch aufgrund ihrer gewinnenden und zupackenden Art von Anfang an „unsere Pfarrer“.

So ist es uns dann auch nicht schwer gefallen, sie nach ihrer z.A.-Zeit bei uns als unseren Pfarrer und unsere Pfarrerin zu bestätigen. Die vielen Dinge, die sie mit uns auf den Weg gebracht haben, haben sie ja bereits in ihrem Abschiedsgruß beschrieben, mir bleibt nur ergänzend zu erwähnen: 

der Arbeitskreis Asyl, den Pfarrerin Denneler zu Beginn begleitet hat, die kreativen Ideen für den Gemeindebrief, die frühen Bemühungen um das „faire Kaffeetrinken“ von Pfarrer Zwißler und das Ertragen einer sicherlich anfänglich bestehenden Unsicherheit beider beim ehrenamtlichen Mesnerdienst.

Bei aller Trauer über unseren Verlust wollen wir aber Annette Denneler und Ulrich Zwißler ganz herzlich danken für ihre segensreiche Arbeit in unserer Gemeinde, die viele Gemeindeglieder zur Mitarbeit motiviert hat und diesen sicherlich auch Spaß gemacht hat. Dazu haben in erheblichem Maße unzweifelhaft auch der Neujahrsempfang für Ehrenamtliche sowie ihre Schauspiel-Einlagen bei Gottesdiensten und anderen Gelegenheiten beigetragen.

Wir wünschen ihnen in ihrer neuen Gemeinde in Schönaich anhaltende Freude und Gottes Segen.

2. Wie kommen wir an einen neuen Pfarrer / eine neue Pfarrerin?
Mit Dekan, Prälatur und Oberkirchenrat sind folgende Schritte besprochen und in die Wege geleitet worden:

Die neue Pfarrstelle muss ausgeschrieben werden, der Ausschreibungstext wird in einer ersten Besetzungssitzung mit dem Prälaten beschlossen. Die Ausschreibung wird dann in der Zeitschrift a&b veröffentlicht.

Voraussetzung für die Ausschreibung sind:

a) die Umbenennung der Pfarrämter Jubilatekirche Ost und West In einer Sondersitzung am 25. Juli 2017 hat der Kirchengemeinderat diese beantragt: „Da mit Umsetzung des Pfarrplans 2018 die Pfarrstelle Reutlingen Jubilatekirche West aufgehoben wird, beantragt der Kirchengemeinderat der Jubilatekirche, die verbleibende Pfarrstelle Jubilatekirche Ost (dann 100 %) umzubenennen in Pfarramt Jubilatekirche.“

b) eine auf die verbleibende 100-%-Pfarrstelle angepasste Geschäftsordnung Für die neue Geschäftsordnung ist eine erste Abstimmung mit dem Oberkirchenrat erfolgt, der Beschluss soll auf der Sitzung des Kirchengemeinderats am 12.09.2017 erfolgen. Wegen der Ferien- und Urlaubszeiten im Sommer und August konnte bisher (Stand August) noch kein Termin für die erste Besetzungssitzung zur Verabschiedung des Ausschreibungstextes vereinbart werden.

3. Vertretungen während der Vakatur
(das ist die Zeit, in der das Pfarramt nicht besetzt ist)

Das Pfarrehepaar Denneler/Zwißler nimmt ab 30. September Urlaub für den Umzug. Am 8. Oktober ist die Verabschiedung (siehe Seite 12) und voraussichtlich am 9. Oktober der Umzug nach Schönaich. Das bedeutet, dass die Pfarrstellen ab 1. Oktober vakant sind. Die Vertretung ist wie folgt geregelt:

Gottesdienste
Für die Gottesdienste werden Vertreter/innen gesucht. Sie finden zur gewohnten Zeit statt.

Taufen und Abendmahl
Es wird in der Regel auch weiterhin möglichst einmal im Monat einen Tauf- bzw. Abendmahlsgottesdienst geben. Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass wir hier gelegentlich auch kurzfristig und nicht wie im Gemeindebrief ausgeschrieben variieren müssen. Wenn Sie Ihr Kind taufen lassen möchten, wenden Sie sich bitte an das Pfarrbüro.

Bestattungen
Diese werden in wöchentlichem Wechsel von Kollegen/Kolleginnen der Gesamtkirchengemeinde übernommen. Bitte wenden Sie sich bei Sterbefällen wie bisher auch zunächst an die Bestatter.

Trauungen
Für Trauungen wird Vertretung gesucht. Bitte wenden Sie sich an das Pfarrbüro.

Geschäftsführung
Pfarrer Bernd Küster von der Auferstehungskirche wurde von Dekan Keinath ab 1. Oktober bis zur Wiederbesetzung mit der Stellvertretung beauftragt.

Konfirmandenunterricht
Bezirksjugendpfarrer Thomas Henning übernimmt den Jahrgang 2017/2018 schon mit Beginn des neuen Schuljahres. Er wird außerdem einmal im Monat in Jubilate einen Gottesdienst halten.

Besuchsdienst
Unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen werden Sie nun zu allen Geburtstagen besuchen, also auch wenn Sie 80, 85, 90, 95, 100… Jahre werden.

Gruppen und Kreise
Unsere Gruppen und Kreise finden vorerst wie gewohnt statt. Viele ehrenamtliche Mitarbeiter/innen haben sich bereit erklärt, mehr Verantwortung zu übernehmen. Es wäre schön, wenn Sie unsere Ehrenamtlichen in ihrer Arbeit unterstützen und ihnen bei Gelegenheit auch ein Wort der Anerkennung und des Dankes aussprechen.

Kein Theaterprojekt „Mensch Luther“
Leider muss das Theaterprojekt, das in Kooperation mit den Konfirmandengruppen im Nordraum für den 4. und 5. November geplant war, entfallen.

Martin Willmann

Besuch von Sylvance Okumu

Reverend Sylvance Owuor Okumu, seit November 2015 Nachfolger von Yusuf Okumu als Leiter der Hilfsorganisation KERUDO (Kenya Evangelical Rural and Urban Development Outreach) in Kenia, hat auf seiner Deutschland-Reise auch unsere Jubilate-Gemeinde besucht.

Am Samstag, den 29. Juli, hat er am Kirchenwagen auf dem Dresdner Platz mit verschiedenen Gemeindegliedern reden können. Am folgenden Sonntag hat er am Nordraum-Gottesdienst teilgenommen und beim anschließenden Kirchenkaffee in einer lebendigen Präsentation mit Interviews von taubstummen Kindern und der Leiterin der Taubstummen- Schule sowie mit einigen Bildern über die Situation der Schule berichtet. Kinder und Schulleiterin haben sich sehr für die Unterstützung aus Deutschland bedankt.

KERUDO hat sich nach dem Tod von Yusuf Okumu auf die gezielte Förderung der Lambwe Christian School for the Deaf konzentriert. Der Übergang der Leitung von KERUDO auf Sylvance Okumu verlief sehr glatt, weil Sylvance von Anfang an bei der Förderung der Schule mitgearbeitet hat und Einrichtungen, Lehrer, Kinder und deren Eltern kennt. Er weiß darum auch sehr gut, wo und wie Unterstützung der Schule möglich und nötig ist. Die Schule ist als Internat organisiert, so dass für Unterbringung und Verpflegung Schulgeld bezahlt werden muss, das von Eltern, staatlichen Stellen oder „Paten“ aufgebracht werden muss. Die monatlichen Kosten belaufen sich auf ca. 30 Euro. Von den 113 Kindern haben sechs Paten in Deutschland. Wegen der zunehmenden Zahl der Schüler müssen ein weiterer Schlafsaal sowie ein Speisesaal gebaut werden, die nur zum Teil vom Staat finanziert werden. Auch hier unterstützt KERUDO in erheblichem Umfang. Mit Hilfe von KERUDO sind eine kleine Schreinerei und eine Schneiderei im Aufbau, um den Kindern eine erste handwerkliche Ausbildung zu ermöglichen. Außerdem hofft man, durch den Verkauf von dort gefertigten kleineren Möbeln und Kleidern einen Beitrag zum Unterhalt der Schule zu erwirtschaften.

Der Besuch hat uns erneut davon überzeugen können, dass die finanzielle Unterstützung von KERUDO durch unsere Gottesdienstopfer und die Gemeinde-Patenschaft für Lydiah von unseren Freunden in Kenia verantwortungsbewusst verwaltet und weitergegeben wird.

Martin Willmann