Liebe Leserinnen und Leser

Verspätung Gottes

Eigentlich wollte er ja bald wiederkommen. Das erzählen die Schriften des Neuen Testaments. Vermutlich wird er auch dieses Jahr nicht kommen, um der Welt ein Ende zu setzen. Wir werden wieder in Ruhe Weihnachten feiern, den Neubeginn. Wir feiern lieber Geburtstage als Lebensenden. Was ist auch daran Schlechtes, wenn dieses Jahr diese Welt nicht untergeht?

In Tansania habe ich gelernt, mit Verspätungen zu leben. Der Besuch kam einfach einen Tag später. Der Bus fährt erst in 6 Stunden. Klar, so kann keine Wirtschaft gut funktionieren. Als ich neulich zum Zug zu spät kam, habe ich mich furchtbar geärgert. Dann habe ich einen Kaffee getrunken. Ich hatte nichts zum Lesen oder Schreiben dabei. Da kam mir der Gedanke, was will ich eigentlich in Stuttgart? Bei einer Verspätung zum Arbeitstreffen habe ich festgestellt, so wichtig war es auch nicht. Es ging auch ohne mich. Aber wenn alle zu spät kommen, was dann? So geht das nicht. Zu spät zur eigenen Hochzeit kommen, das geht gar nicht. Am Ende sagt die Braut Nein. Dennoch. Eine Verspätung kann wohltuend sein. Wenn der Besuch etwas zu spät kommt, dann habe ich noch Zeit, mich kurz hinzusetzen und mich zu besinnen.

Es ist gut, dass Gott sich noch Zeit mit mir lässt. Denn ich weiß nicht, ob ich schon für das Ende bereit bin. Im Advent halten wir die Sehnsucht nach dem Ende wach. Es kommt der König der letzten Tage. Die Zeit ist nahe. Macht hoch die Tür, die Tor macht weit. Am Ende feiern wir wieder die Geburt, den Neubeginn des Lebens.

Aber eines Tages, …
Wissen wir, wie das Ende aussieht? Wir hoffen auf ewigen Frieden. Die Angst vor dem Endgericht sitzt im Dunkeln, verdrängt. Wir zünden Kerzen an. Das Licht soll siegen, auch da, wo wir nichts sehen. Wir feiern die Geburt des Lichtes. Es hält uns wach für das Kommen Gottes.

Aber wann kommt Gott und richtet alles neu? Was für eine Frage! Hat Gott nicht längst damit angefangen? Das Neue begann mit der Geburt Jesu im Stall. Falls wir das noch nicht gemerkt haben, sind wir wirklich spät dran. Wie gut, dass Gott uns noch Zeit lässt.

Vielleicht klappt es dieses Jahr, dass wir begreifen, was Gott mit Weihnachten will. Den Frieden auf Erden, in Familien, zwischen Völkern. Der Zug ist noch nicht abgefahren. Lasst uns die Verspätung nützen, mindestens zur Besinnung: wo will ich eigentlich hin, was kann ich für den Frieden tun, auf was oder wen warte ich?

Ihr
Pfarrer Bernd Küster

Kinderwelt in Jubilate

Aktuelles aus der Kooperation

Haben Sie die Sonnenblumen im Beet am Gemeindehaus gesehen? Im Mai wurden sie als kleine Pflänzchen gesetzt, von Kindern, Eltern, Großeltern und Erzieherinnen unseres Kindergartens Kinderwelt und unserem Gemeindediakon und Herrn Sikeler. Sonnenblumen begleiteten als Thema den Kindergarten den ganzen Sommer über bis zum Höhepunkt, dem Erntedankfest. In der gut besuchten Jubilatekirche konnten viele die Erlebnisse mitfeiern.

Dieses Beet am Gemeindehaus wird schon seit mehreren Jahren vom Kindergarten beackert, so wie auch die Kooperation zwischen Jubilategemeinde und der „Kinderwelt“, wie unser Kindergarten am Berliner Ring heißt. Neben diesem festen Bestandteil des Jahreskreises entstehen zurzeit neue Kooperationen, von denen wir Ihnen berichten möchten.

Haben Sie die bunten Kirchenfenster entdeckt? Kindergartenkinder gestalteten sie als Geschenk zum 50-jährigen Jubiläum der Jubilatekirche.

Neu gestartet ist im Herbst das Eltern-Café des Kindergartens im Gemeindehaus. Etwa alle 14 Tage sind vormittags Mütter und Väter von unserer Kindergartenleiterin Iris Altenhof eingeladen zum Austausch, Informieren, Fragen und Pläneschmieden.

Wieder gestartet wurden die Präsenzzeiten unseres Gemeindediakons Achim Wurst, der mittwochs und freitags zur Abholzeit an der Kindergartentür für Eltern Ansprechpartner ist. Daraus entwickeln sich die unterschiedlichsten Aktionen mit jungen Familien bis hin zu persönlichen Beratungsgesprächen und Themen.

Diese Kooperationen gehen über das normale Angebot eines Kindergartens oder einer Kirchengemeinde hinaus. Wir verstehen uns als familienfördernd und einladend und erhielten aufgrund dieses Profils zwei besondere finanzielle Förderungen. Zum einen bezahlt das Land Baden-Württemberg eine zeitweise Freistellung für unsere Kindergartenleiterin für solche Aufgaben. Die Erweiterung unseres Gemeindediakonen- Dienstauftrags hingegen finanziert bis 2019 der Aktionsplan „Inklusion leben“ der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und ihrer Diakonie für unser Projekt „Angebote für junge Familien im Stadtteil“.

Die aktuellste Aktion daraus ist die große Herbstwerkstatt mit Laternenumzug am Sonntag, 19. November, wie sie auch schon letztes Jahr stattfand.

170 Kinder, Eltern und weitere Besucher bastelten an 6 Thementischen, unterhielten sich bei einem bunten kulinarischen Bufett und zogen singend zum „Achter“ – wie Sie wissen, der ehemaligen Wendeschleife der Straßenbahnlinie.

Viele Eltern engagieren sich bei diesen Festen gemeinschaftsstiftend und aktiv zugehend auf junge Familien in Orschel-Hagen. Auch Gemeindeglieder beteiligen sich gerne dabei und tragen so zum Gelingen eines familienfreundlichen Lebens in unserem Stadtteil bei.

Iris Altenhof und Achim Wurst

50 Jahre Erntedankbrot der Fa. Klumpp

Seit Bestehen unserer Jubilatekirche hatten wir in jedem Jahr am Erntedankfest auf dem Altar unserer Kirche auch ein besonderes großes rundes Brot als Erntedank-Gabe. Die Geschichte dazu haben uns Herr und Frau Bauder erzählt:

Die älteren Bewohner von Orschel-Hagen werden sich erinnern, dass Bauders seit den Anfangsjahren von Orschel-Hagen am Dresdner Platz 30 Jahre lang eine Bäckerei und Konditorei betrieben haben. Kuchen und Gebäck haben sie selbst gebacken, das Brot und die Brötchen wurden von der Bäckerei Klumpp geliefert - die Bäckerei Klumpp hat also ca. 30 Jahre lang Orschel-Hagen mit Brot und Brötchen versorgt.

Auf die Anregung von Bauders, für den Erntedank- Altar der Jubilatekirche ein besonderes Brot zu backen, ist der Senior-Chef Paul Klumpp gerne eingegangen und hat seitdem in jedem Jahr ein besonderes Erntedank-Brot gebacken und unserer Kirche gespendet. Sein Sohn Richard hat die Tradition bis heute fortgeführt.

Dafür möchten wir anlässlich dieses Jubiläums Vater und Sohn Klumpp unseren großen Dank aussprechen. Schade, dass der Betrieb Ende dieses Jahres geschlossen wird!

Martin Willmann

Aus dem Kirchengemeinderat

Im Jahr 1968 hat es die ersten Konfirmationen in der neuen Jubilatekirche gegeben. Daher könnten wir im Jahr 2018 die ersten goldenen Konfirmationen in unserer Kirche feiern.

Weil aber die Pfarrstelle dann voraussichtlich noch nicht besetzt sein wird, hat der Kirchengemeinderat am 7. November 2017 schweren Herzens beschlossen, für das Jahr 2019 eine gemeinsame goldene Konfirmation der Jahrgänge 1968/1969 mit unserer neuen Pfarrerin / unserem neuen Pfarrer anzustreben.

Die zwischenzeitlich hohe Belastung der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter, die sich bemühen, die geschätzte Gemeindearbeit auch ohne Gemeindepfarrer/-pfarrerin möglichst weitgehend zu erhalten, sollte nicht noch weiter vergrößert werden.

Martin Willmann